Bewertungen im Internet

Unser Restaurant heißt nur „Darßer Leuchtturm”, den gibt es tatsächlich, den Leuchtturm am Darßer Ort. Und da gibt es ein Kaffee, Namens Café am Leuchtturm. Eine Ausflugsgaststätte, mit der wir seit 27 Jahren verwechselt werden (Namensähnlichkeit). Jenes Café arbeitet gezwungener Maßen auf Massenabfertigung, entsprechend ist die Kritik im Net. Diese landet nicht selten auf unseren Namen und das dürfen wir dann  „ausbaden”. Es gibt dutzendfache Beispiele, die man im Net nachlesen kann. Besonders Krass ist es bei Tripadvisor.de. Dort sind sogar Fotos des Leuchtturms unter unserem Namen abgebildet. Die Firma hat ihren Sitz in den USA. Kontakt? Ich versuche es gar nicht erst.

Kritik ist oft nicht sachlich, so konnte ich einmal Zechpreller dingfest machen, es gab eine hässliche Auseinandersetzung, die mit den Worten endete: Warte nur, euch machen wir fertig im Internet...

Eine Gruppe Jugendlicher (15 Personen) betrat unser Restaurant, alle angetrunken. Wir weigerten uns, ihnen noch mehr Alkohol auszuschenken. Sie gingen. Die Resonanz einiger von denen kann man bei diversen Bewertungsportalen nachlesen. Da steht dann aber nicht etwa: ...wir waren besoffen und bekamen nichts mehr... Nein, es wird eine üble Rezension erfunden, gerade so, als hätte man mit Kind und Kegel bei uns gegessen und es war einfach nur unterste Schublade. Mit objektiver Kritik hat das nichts zu tun, eher mit subjektiver und auch in diesem Fall sind wir machtlos.

Unser Haus ist die zweitälteste Gaststätte des Ortes (über 100 Jahre alt). Früher kamen die Fischer nach getaner Arbeit und tranken hier ihr wohlverdientes Bier und ihren Köm (plattdeutsche Bezeichnung für Korn) und diesen Charrackter haben wir uns bemüht zu erhalten. Wenn man aber mache Bewertungen sieht, kommt einen der Verdacht, dass man ein 5-Sternerestaurant erwartet hat, mit gestärkten, weißen Tischdecken usw. das wollen und wollten wir nie sein. Alles muss frisch sein, wenn es geht, aus dem heimischen Garten und alles zum Aldipreis. Der Unmut über das fehlende und erwartetes Niveau wird dann sofort im Net kundgetan. manchmal noch am Tisch mit dem Smartphone.

Oft tendiert Kritik leider nur dazu, andere fertig zu machen, frei nach dem Motto: willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein. Konkretes Beispiel: 24(!) Jahre kamen immer die selben Gäste zu uns und waren sehr zufrieden. Eine Bewertung gaben sie aber nie ab. Dann gab es einen Vorfall und prompt hat man uns eine negative Kritik „reingewürgt” und das bei einer Billanz von 24:1 Es ist leider eine Tatsache, Gäste, die zufrieden sind verewigen sich kaum im Net, aber wehe mir passt was nicht...

Gäste kamen nach Küchenschluss, sie bekamen kein Essen und gingen wieder, ohne auch nur irgendwas verzehrt zu haben. Das Ergebnis: wieder eine Einsternebewertung. Das nenne ich mal eine “noble Gesinnung”.

Was wir auch lernen mussten: ist das Wetter über längere Zeit schlecht, dürfen das viele Gastronomen (nicht nur wir)  ausbaden. Da braucht nur eine Fliege die Wand entlang krabbeln und schon steht das Haus als Dreckstall da...

So schrieb jemand: die Bratkartoffeln waren schwarz verbrannt und kalt, der Kellner unfreundlich. bei einem anderen Restaurant hieß es: die Bratkartoffeln waren rehbraun und heiß, der Kellner freundlich. Die Vermutung liegt nah, das andere Wirte versuchen an der Uhr zu drehen. Fake News, sagt man heute wohl dazu.

Kürzlich gepostet: Gemütliche Kneipe im Dorf... Schade, dass ein Gastronom so mit dem Netz zu kämpfen hat, wenn es offensichtlich die Verwechslungen mit dem Leuchtturm am Strand gibt. :((

Über ein Vierteljahrhundert führten wir dieses Haus. Während dieser Zeit sind in Prerow ca ein dutzend Gastronomen verschwunden. Entweder gingen sie in die Pleite oder haben einfach aufgegeben. Ein Vierteljahrhundert, ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Mit Sicherheit hätten wir das nicht mit den vorhandenen, schlechten Bewertungen geschafft. Wo gehobelt wird, fallen Späne; es kann immer mal etwas passieren, was nicht passieren sollte. Ergeht es mir so (als Gast), lautet meine Devise: jeder verdient eine zweite Chance. Das sehen andere offensichtlich ganz anders. Gefällt etwas nicht (auch begründet) heißt es sofort: hierher kommen wir nicht wieder...

Liebe potentielle Gäste, lassen Sie sich von solchen Praktiken nicht abschrecken. Kommen Sie einfach vorbei und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Am 30.6.2017 haben wir das Restaurant in Pacht abgegeben und so haben wir nichts mehr mit den Ergüssen im Net zu tun, dies allein ist das Problem des neuen Inhabers.

Peter Ternes